Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine wurden nach der Revolution der Würde wie nie zuvor intensiviert. Berlin wurde zu dem wichtigsten Partner von Kiew. Dennoch ist eine weitere Vertiefung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit von dem Erfolg der ukrainischen Transformation, von der Überwindung negativer Stereotype der Deutschen gegen die Ukraine und von der Erhöhung des niedrigen Wissensniveaus über das Land in der deutschen Gesellschaft abhängig.

Die russische Aggression gegen die Ukraine führte zu einer bedeutenden Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen. Eine spürbare Verbesserung ist auf eine mittelfristige Sicht wahrscheinlich nicht zu erwarten. Zwar bewahrte sich Moskau einigen Einfluss auf Deutschland, aber sein wirksamer Einsatz wird auf wesentliche Hindernisse stoßen.

Die präzedenzlose große Flüchtlings- und Migrantenwelle, die 2015 Europa erreichte, stellt die ernsthafteste Herausforderung für die EU seit der globalen Wirtschafts- und Eurokrise vor sechs Jahren dar. Die Migrationskrise schuf eine ernste Herausforderung für den Zusammenhalt der EU und bedrohte das Fortbestehen des Schengen-Raums in seiner aktuellen Form. Sie rief auch Antagonismen und Spannungen zwischen den Mitgliedsstaaten und innerhalb der europäischen Gesellschaften hervor. Ein Anzeichen dafür war u. a. eine höhere Unterstützung für euroskeptische und nationalistische Parteien sowie für islamophobe Haltungen in einigen Ländern (die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge sind Muslime). Andererseits kann die Flüchtlingskrise einen Beitrag zum außergewöhnlichen Fortschritt der europäischen Integration durch die Intensivierung der Zusammenarbeit beim Schutz der Außengrenzen leisten.

Im Jahre 2015 wirkte sich die Migrationswelle bedeutend auf die innere Situation in Deutschland und Polen aus. Die Reaktionen der politischen Eliten und der Bevölkerung beider Staaten unterscheiden sich aber grundlegend voneinander.

 Wegen dieses grundsätzlichen Unterschieds bildet die Flüchtlingsfrage eine sehr ernsthafte Herausforderung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Diese Unterschiede betreffen grundlegende Weltanschauungs- sowie politisch-rechtliche Fragen. Einen Kompromiss diesbezüglich zwischen Deutschland und Polen zu finden, wird schwer.

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