Im Jahre 2015 wirkte sich die Migrationswelle bedeutend auf die innere Situation in Deutschland und Polen aus. Die Reaktionen der politischen Eliten und der Bevölkerung beider Staaten unterscheiden sich aber grundlegend voneinander.

 Wegen dieses grundsätzlichen Unterschieds bildet die Flüchtlingsfrage eine sehr ernsthafte Herausforderung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Diese Unterschiede betreffen grundlegende Weltanschauungs- sowie politisch-rechtliche Fragen. Einen Kompromiss diesbezüglich zwischen Deutschland und Polen zu finden, wird schwer.

Für die letzten Jahre ist die Integration der sehr differenzierten muslimischen Gemeinschaft in Deutschland als bedeutend erfolgreicher als vorher einzuschätzen. Deutsche Staatsbürger muslimischer Herkunft sind in den Hauptströmungen des öffentlichen Lebens in Deutschland stark vertreten. Es kann vorausgesetzt werden, dass diese Integration in den nächsten Jahren fortgesetzt wird.

Die Erfolge der Integrationen von deutschen Muslimen werden in Polen aber nur sehr beschränkt wahrgenommen. Es dominiert die Überzeugung von einem Fiasko dieses Prozesses. In Polen werden die Konsequenzen einer stärkeren muslimischen Präsenz im deutschen politischen Mainstream für die deutsch-polnischen Beziehungen sowie die möglichen positiven Auswirkungen dieses Phänomens für die Kohärenz der Interessen von Deutschland und Polen gar nicht reflektiert.

Die deutsch-polnische Versöhnung muss dauernd vertieft und weiter reflektiert werden. Trotz ihres Erfolgs bleiben sowohl in den deutschen als auch in den polnischen Köpfen mehrere Vorurteile und negative Stereotype bestehen. Ebenso ist ein Mangel an ausreichendem Wissen festzustellen, was zwar eher Deutsche, aber doch auch Polen betrifft. Dieses fehlende Wissen ist mit einem tieferen Ereignis verbunden, nämlich mit dem Konflikt und der Nichtübereinstimmung beider sozialer Gedächtnisse – einem Konflikt der grundlegenden Vergangenheitsnarrationen der beiden Gesellschaften. Es mangelt auch an der Reflexion über die kulturellen und mentalen Unterschiede. Diese immer noch nicht verinnerlichten Unterschiede verursachen mehrere Schwierigkeiten bei der gegenseitigen Kommunikation. Die Aufgabe der Europäischen Akademie Kreisau ist unter anderem, zu einer solchen vertieften Reflexion anzuregen.

Es war für Krzyżowa/Kreisau ein ganz besonderes Jahr. Die Versöhnungsmesse und der Friedensgruß von Premierminister Mazowiecki und Kanzler Kohl hat vor 25 Jahren eine neue Epoche in den deutsch-polnischen Beziehungen eingeläutet. Wir wollten das runde Jubiläum nicht nur als Erinnerung begehen, sondern auch als zukunftsorientierte Debatte. Die Überlegung, was heutzutage Versöhnung bedeuten sollte, stand in Zentrum unserer Aufmerksamkeit.

Auftakt der Feierlichkeiten war am 12. November, also dem Jahrestag der Versöhnungsmesse, ein ökumenischer Gottesdienst.

Die Bewertungen von Putins Vorgehen sind völlig unterschiedlich. Die Einen sehen in seiner Politik eine unbändige Kraft, die Annexion der Krim sehen sie als seinen Erfolg und der Krieg, den er der Ukraine in der Donbass-Region erklärt hat, wird nach dieser Lesart für ihn als Erfolg enden. Die Anderen sehen, ganz im Gegenteil, die aggressive Politik des Kreml als Ausdruck seiner Schwäche und als Ursache wie Beschleunigung des Zerfalls der Rußländischen Föderation an.

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